Stammtisch gründen: So bringst du Menschen zusammen

Du sitzt donnerstagabends zu Hause und denkst: Eigentlich hätte ich Lust, mit anderen Leuten Kaffee zu trinken. Einfach so, ohne bestimmten Grund. Früher gab es dafür den Kegelverein oder den Kartenkreis. Heute gibt es oft — gar nichts. Muss aber nicht so bleiben. Du kannst deinen eigenen Stammtisch gründen.
Wo triffst du dich?
Fangen wir beim Praktischen an. Ein Stammtisch braucht einen Ort, der verlässlich offen hat und wo man sich wohlfühlt. Drei Möglichkeiten haben sich bewährt: ein gemütliches Café, die Bibliothek oder abwechselnd bei den Teilnehmern zu Hause.
Cafés sind einfach, weil jeder sein eigenes Getränk zahlt und niemand Putzdienst hat. Such ein Café aus, das nachmittags nicht zu voll ist und wo man sich auch unterhalten kann, ohne zu brüllen. Ein Tischchen reservieren und fragen, ob ihr alle zwei Wochen kommen dürft — die meisten Betreiber freuen sich über Stammgäste.
Bibliotheken haben oft kleine Räume, die man kostenlos nutzen kann. In Hamburg gibt es viele Stadtteilbibliotheken mit solchen Angeboten. Ruf einfach an und frag. Der Vorteil: Du musst nichts bestellen, und es ist ruhig.
Zu Hause ist am persönlichsten. Der Nachteil: Jemand hat immer Stress mit Aufräumen und Kuchen backen. Am besten teilt ihr das reihum. Klaus macht Mai, Helga Juni, Renate Juli.
Festes Thema oder offen?
Manche Stammtische haben ein Thema: Lesekreis, Kochgruppe, Handarbeitstreff, Politik. Das ist gut, weil jeder weiß, worüber geredet wird. Und wenn jemand neu dazukommt, kann man direkt über die neue Lektüre sprechen, statt beim Wetter anzufangen.
Andere Stammtische sind offen. Man trifft sich einfach, redet über das, was gerade anliegt. Das funktioniert besonders gut, wenn ihr euch schon ein bisschen kennt. Bei Fremden ist ein Thema oft ein besserer Einstieg — sonst herrscht die ersten zwanzig Minuten betretenes Schweigen.
Wie findest du Mitglieder?
Die häufigste Sorge: Wer soll denn überhaupt kommen? Es gibt mehr Möglichkeiten, als du denkst.
Zettel am schwarzen Brett im Supermarkt, in der Apotheke oder im Gemeindehaus — altmodisch, aber es funktioniert immer noch. Schreib kurz, worum es geht, wann und wo. Eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse dazu. Du wirst staunen, wer sich meldet.
Im Internet gibt es die Plattform Nebenan.de, auf der Nachbarn sich vernetzen. Dort kannst du Treffen ankündigen und Leute aus deinem Stadtteil erreichen. Auch auf verbunden.jetzt gibt es Rubriken für Gruppentreffen — dort findest du Menschen, die auch etwas suchen.
Und sprich in deinem Umfeld darüber. Bei der Nachbarin im Treppenhaus, beim Einkaufen, im Fitnessstudio. Oft kennt jemand jemanden, der genau so was sucht.
Das erste Treffen — und die Durststrecke
Jetzt die unbequeme Wahrheit: Die ersten drei, vier Treffen sind oft zäh. Es kommt vielleicht nur eine Person. Oder zwei, und einer davon passt irgendwie gar nicht. Du gehst nach Hause und denkst: Das war nix. Das ist völlig normal.
Ein Stammtisch braucht Zeit, um sich einzuspielen. Wer nach dem zweiten Treffen aufgibt, verpasst den Moment, wo es anfängt zu laufen. Das dauert oft Monate. Ein guter Tipp: Einen festen Termin vereinbaren ("jeden zweiten Donnerstag um 15 Uhr"), egal ob zwei oder zehn Leute kommen. Verlässlichkeit ist wichtiger als Masse. Wer einmal kommt und sieht, dass es stattgefunden hat, kommt nächstes Mal wieder.
Noch etwas: Lass dich nicht davon entmutigen, wenn jemand aussteigt. Menschen werden krank, ziehen um, verlieren die Lust. Das heißt nicht, dass dein Stammtisch schlecht ist. Neue kommen nach, oft über Empfehlungen.
Und wenn du Hilfe beim Anfangen brauchst
Manchmal ist das Schwerste, den ersten Schritt zu machen. Einen Aushang aufhängen fühlt sich an, als würdest du dich auf dem Marktplatz ausziehen. Ist aber bei weitem nicht so schlimm.
Wenn du Lust hast, das mit anderen zusammen anzugehen: Bei verbunden.jetzt gibt es regelmäßig Treffen, wo Menschen aus Hamburg und online Gruppen starten. Du lernst andere kennen, die dieselbe Idee haben, und manchmal wird aus einem Kurs direkt ein neuer Stammtisch. So beginnt das oft.
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